Red Hand Day: Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar

Kinder sind keine Soldaten!

Schattenbericht: Bundesregierung kommt internationalen Verpflichtungen zum Schutz von Kindern nicht ausreichend nach

Willy-Brandt-Gesamtschule, Köln: Aktion zum Red Hand DayZum Red Hand Day, dem Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, haben Kindernothilfe, missio, terre des hommes, UNICEF Deutschland und das Deutsche Bündnis Kindersoldaten den "Schattenbericht Kindersoldaten 2011" vorgestellt. Er zeigt die Defizite Deutschlands bei der Einhaltung seiner menschenrechtlichen Verpflichtungen auf. So erlaubt Deutschland weiter die freiwillige Einberufung von Minderjährigen in die Bundeswehr - trotz der klaren Aufforderung des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes, ausschließlich über 18-Jährige zu rekrutieren ("Straight 18"). Auch im Umgang mit ehemaligen, nach Deutschland geflohenen Kindersoldaten und bei der Waffenexportkontrolle besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. Seit Anfang 2011 hat Deutschland den Vorsitz der Arbeitsgruppe "Kinder in bewaffneten Konflikten" des UN-Sicherheitsrats inne. Gerade deshalb fordern die Herausgeber des Schattenberichts die Regierung auf, beim Thema Kindersoldaten ein Vorbild zu sein.

"Straight 18" - bisher ohne Deutschland
Deutschland hat das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten 2004 ratifiziert und sich damit zu einem weit reichenden Schutz Minderjähriger verpflichtet. Die große Mehrheit der 139 Vertragsstaaten rekrutieren prinzipiell keine Jugendlichen unter 18 Jahren mehr. Bei der Bundeswehr beginnen jedoch jedes Jahr einige hundert Minderjährige ihren Dienst. "Deutschland sollte endlich der Aufforderung des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes nachkommen und das Mindestalter für die Einstellung junger Soldaten auf 18 Jahre anheben", sagt Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes.
Im Schattenbericht wird die Werbung der Bundeswehr an Schulen kritisiert. Im Jahr 2009 haben hauptamtliche Jugendoffiziere tausende Informationsveranstaltungen an Schulen durchgeführt, meist mit dem Schwerpunkt Afghanistan-Einsatz. Rund 160.000 Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr sowie zahlreiche Referendare und Lehrer nahmen daran teil. "Bei diesen Veranstaltungen wird einseitig für die Positionen der Bundeswehr und insbesondere für die Auslandseinsätze geworben", sagt Ralf Willinger. "Die Gefahren solcher Einsätze werden dabei entweder gar nicht oder nur am Rande erwähnt. Das missachtet nicht nur die Grundsätze der politischen Bildung, sondern auch die Schutzpflichten und Prinzipien der Kinderrechtskonvention. Diese verlangt Friedenserziehung und nicht Werbung für das Militär", so Willinger. Diese Position teilen auch Gewerkschaftsvertreter sowie viele Schüler, Lehrer, Eltern und kritische Bundeswehr-Soldaten.

Ralf Willinger (terre des hommes): Statement zum Thema Kindersoldaten

Ehemalige Kindersoldaten - oft ohne angemessenen Schutz
Ehemalige Kindersoldaten, die nach Deutschland fliehen, sind meist völlig auf sich gestellt. Auch in Asylverfahren finden sie oft keine psychosoziale Betreuung. Der Schattenbericht fordert deshalb, Unter-18-Jährige verfahrensrechtlich nicht wie Erwachsene zu behandeln und die Verfahren kindgerechter zu machen. "Die Tatsache, dass Mädchen und Jungen als Kindersoldaten missbraucht wurden, muss unbedingt als Fluchtgrund anerkannt werden", sagt Barbara Dünnweller, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe. "Nur so ist gewährleistet, dass sie die notwendige Unterstützung erhalten." Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wie ehemalige Kindersoldaten sind im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe unterzubringen. Abschiebungshaft sollte bei Jugendlichen unter 18 Jahren grundsätzlich untersagt sein.

Barbara Dünnweller (Kindernothilfe): Statement zum Thema Flüchtlingskinder

Kleinwaffen - Waffen für kleine Hände
Der Export von Kleinwaffen und ihre Verbreitung können sich destabilisierend auf die Entwicklung ganzer Regionen auswirken. "Kinder in der Demokratischen Republik Kongo sind in einem Kreislauf des Konfliktes gefangen", sagt Cornelia Walther, Sprecherin UNICEF Demokratische Republik Kongo. "Kleinwaffen tragen zur Eskalation der Gewalt bei und machen es leichter, Mädchen und Jungen als Soldaten zu missbrauchen. Wir müssen diese Kinder schützen." Weltweit werden rund 250.000 Kinder und Jugendliche als Soldaten eingesetzt. Sie müssen selbst kämpfen oder den Kommandanten als Koch oder Träger dienen. Viele Mädchen werden sexuell missbraucht. Schon Zehnjährige können mit der Kalaschnikow kämpfen und zum Töten gezwungen werden.
Die Vertragsstaaten der Kinderrechtskonvention sind verpflichtet, die Umsetzung dieser Rechte auch in anderen Staaten zu schützen und zu fördern. Das gilt auch für die Rüstungsexportkontrolle. Laut Schattenbericht kann jedoch die Bundesregierung eine verlässliche Kontrolle des Endverbleibs exportierter Kleinwaffen nicht garantieren. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat Deutschland bereits 2008 empfohlen, ein spezielles Verbot für die Ausfuhr von Waffen einzuführen, wenn der endgültige Einsatzort ein Land ist, in dem möglicherweise Kinder rekrutiert werden oder die Gefahr besteht, das Waffen in solche Krisenregionen umgeleitet werden. "Wir fordern mehr Transparenz sowie klare, restriktive Leitlinien für die Rüstungsexportpolitik", sagt Barbara Dünnweller.

Barbara Dünnweller (Kindernothilfe): Statement zum Thema Rüstungsexporte

Zum Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten
Am 12. Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft. Seitdem gilt der 12. Februar als internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. Anlässlich dieses Red Hand Days rufen die internationale Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten und das Deutsche Bündnis Kindersoldaten zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf. Bisher haben über 350.000 Menschen weltweit mit ihrem Handabdruck gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten protestiert, darunter über 150.000 Deutsche. Auch dieses Jahr gibt es Rote-Hand-Aktionen, so in Bonn und Bremerhaven.

Unicef: Statement zur Lage von Kindern im Ostkongo

Der Schattenbericht Kindersoldaten 2011 wurde vom Rechtswissenschaftler Dr. Hendrik Cremer erstellt. Er wird innerhalb des Staatenberichtsverfahrens zur deutschen Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und ihrer Zusatzprotokolle an den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes in Genf übergeben.

Schattenbericht Kindersoldaten 2011
Forderungen des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten
Kindernothilfe-Projektbeispiele: Kinder und bewaffnete Konflikte

 

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