Kinderrechte in den Blick nehmen
Offener Brief an Kanzlerin Merkel zur Nachwuchswerbung der Bundeswehr

(Berlin, 12. November 2013) In einem offenen Brief fordern das Deutsche Bündnis Kindersoldaten, das Forum Menschenrechte, das Darmstädter Signal sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bundeskanzlerin Merkel auf, die Kinderrechte in der kommenden Legislaturperiode auch bei der Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr zu achten: Das Rekrutierungsalter für Soldaten in Deutschland soll auf 18 Jahre angehoben werden und Werbemaßnahmen der Bundeswehr bei Minderjährigen sollen unterbleiben.

„Wir sehen in unseren Projekten im Ausland täglich, welch schwerwiegende Folgen Kriege und bewaffnete Konflikte für das Leben von Kindern haben. In Deutschland werden die Gefahren jedoch häufig verharmlosend dargestellt“, macht Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, Vorstandvorsitzender der Kindernothilfe, fürdas Deutsche Bündnis Kindersoldaten deutlich. So finden an vielen Schulen umfassende Werbemaßnahmen der Bundeswehr zur Nachwuchsgewinnung statt. „Eine ausgewogene Beschäftigung mit der Thematik „Krieg und Frieden" ist bei der Begegnung mit Jugendoffizieren und Wehrdienstberatern an Schulen kaum gegeben", betont die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe. „Das Thema Friedenserziehung muss künftig einen festen Platz in den Curricula und bei der Ausbildung von Lehrkräften haben", fordert Tepe.

Nicht nur die Werbemaßnahmen werden von den Organisationen kritisiert, sondern auch die Anwerbung minderjähriger Freiwilliger durch die Bundeswehr. „Jedes Jahr rekrutiert die Bundeswehr rund 1.000 17-jährige Freiwillige, mit steigender Tendenz, in 2012 waren es 1.216 Minderjährige. Damit ist Deutschland eines von wenigen Ländern weltweit, die Minderjährige in ihre Armeen aufnehmen“, kritisiert Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende von terre des hommes, für das Deutsche Bündnis Kindersoldaten. Selbst aktive Soldaten sehen das kritisch. „Vielen Freiwilligen ist in diesem jungen Alter nicht bewusst, worauf sie sich einlassen. Aus eigener Erfahrung kennen wir die Probleme sehr junger Soldaten. Oft fehlt für den Dienst die notwendige Reife“, erläutert Florian Kling, Sprecher des Darmstädter Signals, einem Zusammenschluss kritischer Bundeswehrsoldaten.

Im Gegensatz zu Deutschland verzichtet die große Mehrheit der 191 Vertragsstaaten der UN-Kinderrechtskonvention auf die Anwerbung Minderjähriger. Auch auf UN-Ebene gibt es kein Verständnis für das Verhalten Deutschlands. „Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat Deutschland bereits 2008 empfohlen, das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre anzuheben“, erläutert Danuta Sacher. „Die neue Bundesregierung sollte jetzt die Weichen für die Verwirklichung von Kinderrechten stellen und diese Empfehlungen umsetzen“, so Sacher.

Kontakt:
Petra Stephan, Kindernothilfe, 0203 / 7789-185, petra.stephan@knh.de
Ralf Willinger, terre des hommes, 0541 / 7101-108, r.willinger@tdh.de
Ulf Rödde, Pressesprecher GEW-Hauptvorstand, 069 / 78973-114, ulf.roedde@gew.de
Florian Kling, Darmstädter Signal, 07051 / 5974 490, FlorianKling@darmstaedter-signal.de

 

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