Keine unter 18-Jährigen in Armeen!

Deutsches Bündnis Kindersoldaten fordert zum Red Hand Day den weltweiten Stopp der Rekrutierung von Minderjährigen

Berlin, 11.2.2019 – Mit der Ratifizierung eines Zusatzprotokolls der UN-Kinderrechtskonvention vor 15 Jahren am 12. Februar 2004 hat sich auch Deutschland zum besonderen Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten verpflichtet. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten fordert die Bundesregierung zum Red Hand Day auf, keine Minderjährigen mehr in die Bundeswehr aufzunehmen und den weltweiten Stopp der Rekrutierung Minderjähriger als Soldaten zu unterstützen. Derzeit werden schätzungsweise 250.000 Kindersoldaten in mindestens 19 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in bewaffneten Konflikten zum Kämpfen gezwungen oder als Spione, Minensucher und Wachposten missbraucht.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten und Child Soldiers International stellten die Studie »Why 18 matters – eine Analyse der Rekrutierung von Kindern« vor. Demnach halten mehr als drei Viertel aller Staaten den 18-Jahre-Standard bei der Rekrutierung ein und verzichten auf die Einstellung minderjähriger Soldaten. Unter den wenigen Ländern, die Minderjährige noch in großer Zahl in ihre Armeen aufnehmen, sind nur drei Industrieländer: die USA, Großbritannien und Deutschland. In Deutschland wurden im Jahr 2018 genau 1.679 17-jährige Soldatinnen und Soldaten rekrutiert, etwas weniger als im Vorjahr, aber immer noch mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2011.

»Deutschland, die USA und Großbritannien schwächen damit wesentlich den internationalen Straight-18-Standard, der die Rekrutierung von Minderjährigen verbietet – und damit auch den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten«, sagte Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes und Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. »Denn bewaffnete Gruppen und Armeen in Konfliktgebieten, beispielsweise in Myanmar, rechtfertigen die Rekrutierung von Kindersoldaten auch mit Verweis auf die Rekrutierung minderjähriger Soldaten in diesen drei Ländern«, so Willinger.

Die Studie belegt, dass es auch in der Bundeswehr regelmäßig zu sexueller Gewalt und Missbrauch kommt, mit stark steigender Tendenz. In den Jahren 2017 und 2018 waren minderjährige oder gerade volljährig gewordene Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr von sexualisierten Ritualen, sexueller Belästigung und Vergewaltigung betroffen. »Die einzige Möglichkeit, Minderjährige vor Gewalt und sexuellem Missbrauch in der Bundeswehr umfassend zu schützen, ist, auf ihre Rekrutierung als Soldaten ganz zu verzichten«, forderte Willinger. »Minderjährige haben in Armeen und bewaffneten Gruppen nichts zu suchen – die ganze militärische Umgebung ist unvereinbar mit der UN-Kinderrechtskonvention. Auch Deutschland und Großbritannien sollten das respektieren und nur noch Erwachsene als Soldaten rekrutieren«, betonte auch David Gee von Child Soldiers International.

»Deutschland muss hier dringend seiner internationalen Verantwortung gerecht werden, gerade auch als aktuelles Mitglied des UN-Sicherheitsrats«, ergänzte Frank Mischo, Kinderrechtsexperte der Kindernothilfe und Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. »Dazu gehört auch eine deutliche Steigerung der Finanzierung von Hilfsprogrammen für von Konflikten betroffene Kinder, insbesondere Kindersoldaten. Auch der Stopp von Waffenlieferungen in Krisenregionen wie den Nahen Osten ist längst überfällig«, so Mischo.

Innocent Opwonya wurde als Zehnjähriger von einer bewaffneten Gruppe in Uganda zwangsrekrutiert und entkam nur knapp dem Tod. »Die UN-Kinderrechtskonvention definiert ein Kind als einen Menschen unter 18 Jahren. Auch heute noch müssen Kinder in Armeen als Soldaten dienen, selbst in der EU in Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Frankreich. Es ist falsch, das fundamentale Recht von Kindern zu verletzen, in einer gesunden und friedlichen Umgebung aufzuwachsen – ob mit oder ohne Erlaubnis ihrer Eltern, das spielt keine Rolle. Sie müssen in der Lage sein, ihre eigene Entscheidung darüber zu treffen, ob sie als Soldat in eine Armee eintreten wollen – und das können sie frühestens mit 18 Jahren«, erklärte der ehemalige Kindersoldat.

Am 12. Februar 2002 ist das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft getreten, das den Einsatz von unter 18-Jährigen in bewaffneten Konflikten verbietet. Seitdem gilt der Tag als internationaler Tag gegen den Einsatz von unter 18-Jährigen als Soldaten. Anlässlich dieses »Red Hand Day« ruft das Deutsche Bündnis Kindersoldaten gemeinsam mit zahlreichen Organisationen weltweit zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf. Bisher haben mehr als 400.000 Menschen in über 50 Ländern weltweit mit ihrem Handabdruck gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten protestiert. Auch in diesem Jahr finden Rote-Hand-Aktionen in zahlreichen deutschen Städten statt, darunter Berlin, Bonn, Altenburg (Thüringen), Aachen, Castrop-Rauxel, Hagen, Siegen, Schramberg, Radolfzell und Freiburg. Viele Mitgliedsorganisationen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten unterstützen Hilfsprojekte für Kindersoldatinnen und -soldaten in Asien, Afrika und Lateinamerika.

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Studie „Why 18 matters – eine Analyse der Rekrutierung von Kindern (PDF): Deutsch oder Englisch

Statement David Gee
Statement Innocent Opwonya
Statement Ralf Willinger
Statement Frank Mischo
Statement Virginia Gamba

Videostatement Virginia Gamba, UN-Sonderbeauftragte

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Für Rückfragen/Interviews:
Vertreter der Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten:

Weitere Informationen im Internet:

Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten:
Aktion Weißes Friedensband, Deutsche Friedensgesellschaft DFG-VK, Kindernothilfe, Dt. NK des Lutherischen Weltbundes, missio, Netzwerk Afrika Deutschland, Pax Christi, Quäker-Hilfe Stiftung, terre des hommes, UNICEF Deutschland, World Vision

Setzen Sie sich mit dem Bündnis Kindersoldaten und World Vision dafür ein, dass mehr Gelder für Projekte bereitgestellt werden, die Kindersoldaten aus dem Kriegsdienst befreien und wieder in die Gesellschaft integrieren. Hilfsorganisationen brauchen dringend mehr Mittel, um Demobilisierungs- und Reintegrationsprogramme für Kindersoldaten langfristig zu sichern. Diese geben den Kindern individuelle medizinische und psychosoziale Betreuung, bringen sie zurück in familiäre Strukturen und ermöglichen ihnen Zugang zu Bildung. Diese Arbeit zeigt Wirkung und ist für viele Kinder die einzige Chance zurück in ein ziviles Leben.

Wir brauchen Ihre Stimme: Helfen Sie uns, Kindersoldaten und –soldatinnen aus dem Kriegsdienst zu befreien und einen neuen Anfang zu machen!

Unterzeichnen Sie die Petition an Bundesminister Gerd Müller unter www.kein-kind-will-toeten.de

Start der Kampagne „Kein Kind will töten“ am Red Hand Day 2019 in Berlin

Übergabe von 30.000 Unterschriften an die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Das Bündnis Kindersoldaten hat gegen die Rekrutierung von Minderjährigen in die Bundeswehr Unterschriften von mehr als 30.000 Unterstützern bekommen. Diese wurden der Ministerin am 31. August bei einer Wahlkampfveranstaltung in Osnabrück durch die beiden Bündnissprecher Frank Mischo (Kindernothilfe) und Ralf Williger (Térre des hommes) überreicht. Mehr

Berlin, 15. Februar 2017 – Zum fünften Mal seit 2012 fand heute im Bundestag auf Einladung der Kinderkommission eine Rote-Hand-Aktion gegen den Einsatz von Kindern und Jugendlichen als Soldaten statt. Die Rote-Hand-Aktion ist eine Initiative der Zivilgesellschaft, die 2003 vom Deutschen Bündnis Kindersoldaten gestartet wurde und inzwischen weltweit in über 50 Ländern durchgeführt wird. Bei den bisherigen Aktionen im Bundestag haben hunderte Abgeordnete aller Parteien und zahlreiche Minister ihren roten Handabdruck abgegeben und damit die Forderungen der Aktion unterstützt.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten begrüßt die Initiative der Kinderkommission des Bundestages, fordert jedoch weitergehende politische Weichenstellungen. „Wir freuen uns über das Interesse und Engagement der Kinderkommission und vieler Abgeordneter und Regierungsmitglieder. Dem guten Willen und roten Handabdrücken müssen jetzt aber auch konkrete Taten folgen“, sagte Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes und Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. „Deutschland liefert Kleinwaffen in viele Konfliktregionen, auch in solche, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden, beispielsweise in den Nahen Osten, Indien, Pakistan oder die Philippinen. Wir appellieren an die Abgeordneten und Regierungsmitglieder, die bei unserer Protestaktion gegen den Einsatz von Kindersoldaten mitmachen, sich auch politisch gegen den Export von Kleinwaffen und für eine restriktive Rüstungsexportpolitik einzusetzen“, so Willinger. Auch sollten sie sich dafür engagieren, dass deutlich mehr deutsche Mittel zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten zur Verfügung gestellt werden.

„Der Einsatz von Kindersoldaten kann weltweit nur durch klare Grenzen verhindert werden. So müssen alle Staaten das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre anheben, wie es bis jetzt 153 Staaten getan haben. Deshalb sollten sich die Deutschen Parlamentarier mit ihrer roten Hand auch dazu bekennen, hier in Deutschland das Rekrutierungsalter ebenfalls von 17 auf 18 Jahre zu erhöhen. Nach dem Bericht des Wehrbeauftragten der Bundeswehr sollte die Rekrutierung Minderjähriger die Ausnahme sein. Stattdessen hat sich ihre Anzahl von 689 im Jahr 2011 auf 1.946 im Jahr 2016 fast verdreifacht“, sagte Frank Mischo, Kinderrechtsexperte der Kindernothilfe und Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. „Auch wenn aus ihren Einheiten geflohene Kindersoldaten nach Deutschland flüchten konnten, muss das als politische Verfolgung und damit als Asylgrund anerkannt werden. Leider verweigert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Kindern und Jugendlichen mit diesem Schicksal immer wieder die Anerkennung als Flüchtling – selbst nach der Rekrutierung durch besonders brutale Gruppen wie der Al-Shabab-Miliz in Somalia“, so Mischo weiter.

terre des hommes, die Kindernothilfe, World Vision und Brot für die Welt haben vor wenigen Tagen die Studie „Kleinwaffen in Kinderhänden – Deutsche Rüstungsexporte und Kindersoldaten“ herausgegeben. Die Studie belegt, dass Deutschland in zahlreiche Länder Waffen liefert, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt werden.

Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten sind:

terre des hommes, Kindernothilfe, World Vision, UNICEF Deutschland, Aktion Weißes Friedensband, missio, Deutsche Friedensgesellschaft DFG-VK, Lutherischer Weltbund, Quäker-Hilfe Stiftung, Netzwerk Afrika Deutschland

Weitere Informationen:

www.kindersoldaten.info www.redhandday.org www.aktion-rote-hand.de

Kontakte bei Rückfragen oder zur Vereinbarung von Interviews:
Kindernothilfe: Christian Herrmanny, stellv. Pressesprecher
E-Mail Christian.herrmanny@kindernothilfe.de ; mobil: 0178 / 2329667
terre des hommes: Christian Ramm, Pressesprecher
E-Mail c.ramm@tdh.de ; Tel.: 05 41 / 71 01-158

Deutsches Bündnis Kindersoldaten und Brot für die Welt fordern zum Red Hand Day den kompletten Stopp von Kleinwaffenexporten und ein Rüstungsexportgesetz.

Berlin, 9.2.2017. Anlässlich des Red Hand Day veröffentlichen terre des hommes, die Kindernothilfe und World Vision Deutschland als Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten gemeinsam mit Brot für die Welt die Studie „Kleinwaffen in Kinderhänden. Deutsche Rüstungsexporte und Kindersoldaten“. Sie rufen die Bundesregierung auf, den Export von Kleinwaffen und Munition komplett zu stoppen und ein Rüstungsexportgesetz mit rechtlich verbindlichen und einklagbaren Ablehnungskriterien zu schaffen. Rund 250.000 Kindersoldaten werden in mindestens 20 Ländern zum Kämpfen gezwungen oder als Spione, Lastenträger oder Sexsklaven missbraucht. In viele dieser Länder liefert Deutschland Waffen.

„Die Studie belegt, dass Deutschland Kleinwaffen, die tödlichste Waffenart, in viele Konfliktregionen liefert – auch in solche, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden, beispielsweise in den Nahen Osten, Indien, Pakistan oder die Philippinen“, sagte Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes und Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. „Deutschland ist folglich mitverantwortlich für die Eskalation von bewaffneten Konflikten und das Leid vieler Kinder in diesen Ländern.“

Obwohl die Bundesregierung seit Jahren von Kinder- und Menschenrechtsorganisationen und dem UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes auf diese Missstände hingewiesen wird, sieht sie bisher offenbar keinen Handlungsbedarf. „Die Studie entlarvt die Behauptung der Regierung, die deutsche Rüstungsexportpolitik sei restriktiv, als reines Wunschdenken oder bewusste Falschaussage. Anstatt die vorliegenden Fakten zu verharmlosen, ist es höchste Zeit, dass die Regierung eine wirklich restriktive Rüstungsexportpolitik umsetzt. Der erste Schritt dahin sollte ein kompletter Stopp des Exports von Kleinwaffen und entsprechender Munition sein, denn deren Verbreitung hat sich als unkontrollierbar erwiesen, selbst bei Lieferungen an NATO- und EU-Länder. Ein zweiter notwendiger Schritt ist ein Rüstungsexportgesetz mit rechtlich verbindlichen, einklagbaren Ablehnungskriterien“, so Willinger.

Michael Davies, ehemaliger Kindersoldat aus Sierra Leone, sagte: „Als ich als Jugendlicher in Sierra Leone kämpfen musste, habe ich auch viele G3-Gewehre gesehen. Waffenlieferungen in Konfliktregionen müssen dringend gestoppt werden, sie heizen dort die Konflikte an.“

Frank Mischo, Kinderrechtsexperte der Kindernothilfe und Sprecher des Bündnis Kindersoldaten: „Anstelle einer konsequenten Rüstungsexportbegrenzung stiegen laut Sigmar Gabriel die Genehmigungen für Kleinwaffenexporte um 47 Prozent von 32 Millionen Euro 2015 auf 47 Millionen Euro 2016. Mehr als ein Drittel davon ging in Drittländer, von denen viele in Krisengebieten mit bewaffneten Konflikten liegen. Das steht im krassen Gegensatz zu den Ankündigungen der Bundesregierung und stellt wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen über Kinderrechtsverletzungen.“ Mischo führt weiter aus: „Deutschland strebt einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Dafür sollten Kinderrechte beachtet und die Empfehlungen des UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes umgesetzt werden. Das beinhaltet vor allem eine Vorbildfunktion Deutschlands – also nicht nur eine restriktive Rüstungsexportpolitik, sondern auch den Verzicht auf die Rekrutierung Minderjähriger in die Bundeswehr.“

Andreas Dieterich, Referent für Zivile Konfliktbearbeitung bei Brot für die Welt: „Einer Emnid-Umfrage zufolge sprachen sich im vergangenen Jahr 83 Prozent der befragten Deutschen gegen Rüstungsexporte aus. Dennoch hat die Bundesregierung im selben Jahr die Ausfuhr von Rüstungsgütern in Höhe von insgesamt 6,88 Milliarden Euro genehmigt. Pistolen wie die Walther P99 oder die Sig Sauer SP 2022 gelten im Genehmigungsverfahren bisher als ‚zivile Waffen‘, obwohl sie vielerorts militärisch verwendet werden. Ein restriktives Exportkontrollgesetz ist überfällig, um dies zu unterbinden. Nach deutscher Rechtslage dürfen keine Waffen in Spannungsgebiete geliefert werden. Dennoch gelangen Kleinwaffen aus deutscher Produktion immer wieder in Gebiete, in denen Gewaltkonflikte, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind.“

Am 12. Februar 2002 ist das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft getreten, das den Einsatz von Unter-18-Jährigen in bewaffneten Konflikten verbietet. Seitdem gilt der Tag als internationaler Tag gegen den Einsatz von Unter-18-Jährigen als Soldaten. Anlässlich dieses „Red Hand Day“ ruft das Deutsche Bündnis Kindersoldaten gemeinsam mit zahlreichen Organisationen weltweit zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf. Bisher haben mehr als 400.000 Menschen in über 50 Ländern weltweit mit ihrem Handabdruck gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten protestiert. Auch in diesem Jahr finden Rote-Hand-Aktionen in zahlreichen deutschen Städten statt. Viele Mitgliedsorganisationen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten unterstützen Hilfsprojekte für Kindersoldaten in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Die Aktion www.unter18nie.de des Deutschen Bündnis Kindersoldaten sammelt Unterschriften für den Verzicht der Bundeswehr auf die Rekrutierung minderjähriger Soldaten. 2016 rekrutierte die Bundeswehr mindestens 1946 17-jährige Jungen und Mädchen als Soldaten – ein neuer Rekordwert und fast das Dreifache der Zahl von 2011.

Die Studie „Kleinwaffen in Kinderhänden. Deutsche Rüstungsexporte und Kindersoldaten“ finden Sie hier.

Für Rückfragen/Interviews:

Vertreter der Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten:
terre des hommes, Tel.: 05 41 / 71 01-158, Email: c.ramm@tdh.de
Kindernothilfe, Pressestelle, Tel.: 0203 / 77 89-159, Email: lorenz.toepperwien@knh.de
World Vision Deutschland, Pressestelle, Tel.: 06172 / 763-151 E-Mail: presse@worldvision.de

Mitherausgeber der Studie:
Brot für die Welt, Tel.: 030 / 65211-4430, Email: presse@brot-fuer-die-welt.de

Weitere Informationen im Internet:
kindersoldaten.info redhandday.org aktion-rote-hand.de unter18nie.de

Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten:
terre des hommesKindernothilfeWorld VisionUNICEF DeutschlandAktion Weißes FriedensbandmissioDeutsche Friedensgesellschaft DFG-VKLutherischer WeltbundQuäker-Hilfe StiftungNetzwerk Afrika Deutschland

Osnabrück / Duisburg, den 20.6.2016: Nachdem Bundeswehrsoldaten vor einer Woche beim „Tag der Bundeswehr“ in Stetten Kinder an Maschinenpistolen hantieren ließen, ist es am Sonntag zu einem ähnlichen Vorfall gekommen: Beim „Tag der offenen Tür“ in der Ostmark-Kaserne in Weiden in der Oberpfalz durften Kinder auf Panzer klettern und Panzerfahrten mitmachen.

„Kleine Kinder und Jugendliche kletterten auf Kampfpanzer und guckten durch das Zielfernrohr“, sagt Michael Schulze von Glaßer von der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK), der vor Ort war. „Soldaten halfen ihnen beim Einstieg und erklärten das Kriegsgerät. Auf Fuchs-Transportpanzern und Marder-Schützenpanzern konnten Kinder und Jugendliche sogar mit durchs Gelände fahren.“ Ob die Bundeswehr dabei wirklich nur Personen ab 14 Jahren mitgenommen hat, wie es eine Richtlinie des Verteidigungsministeriums vorschreibt, ist fraglich, einige Kinder auf den Fotos sehen jünger aus. „Die Bundeswehr nutzt die Technikbegeisterung und Abenteuerlust von Kindern und Jugendlichen aus, um Nachwuchs zu werben. Das ist inakzeptabel“, so Michael Schulze von Glaßer.

„Kasernen sind kein Spielplatz, Panzer kein Spielzeug“, sagt Ralf Willinger vom Kinderhilfswerk terre des hommes, Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. „Statt immer mehr Geld für Militärwerbung bei Kindern auszugeben und immer mehr minderjährige Soldaten einzustellen, sollte die Bundeswehr die Kinderrechte achten und endlich die Empfehlungen des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes umsetzen. Dieser hat Deutschland mehrfach aufgefordert, das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre anzuheben und Militärwerbung bei Kindern und Jugendlichen zu verbieten.“

„Kinder und Jugendliche sind beeinflussbarer und verletzlicher als Erwachsene, sie brauchen besonderen Schutz“, sagt Frank Mischo von der Kindernothilfe, Sprecher des Bündnis Kindersoldaten. „Die Bundeswehr sollte deshalb per Erlass dafür sorgen, dass Kinder weder mit Handfeuerwaffen noch mit größeren Waffensystemen wie Panzern direkt in Kontakt kommen. Computerspiele, in denen man Panzer fahren kann, sind vom Alter her indiziert – dasselbe sollte erst recht für reale Panzer gelten.“

Der Personalwerbetat der Bundeswehr hat sich innerhalb von sieben Jahren fast verzehnfacht, von 3,8 Millionen Euro (2008) auf 35,3 Millionen Euro (2015). Zudem werden immer mehr 17-Jährige als Soldaten eingestellt: Der Rekordwert von 2015 waren 1515 Mädchen und Jungen. Sie erhalten dieselbe militärische Ausbildung an der Waffe wie Erwachsene, haben dieselben Arbeitszeiten wie diese und werden zusammen mit Erwachsenen untergebracht. Der gesetzliche Jugendschutz gilt für sie nicht, spezielle Maßnahmen zum Schutz vor sexuellem Missbrauch gibt es nicht.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten und seine zehn Mitgliedsorganisationen setzen sich in Deutschland und anderen Ländern dafür ein, dass keine Kinder unter 18 Jahren zum Militär oder bewaffneten Gruppen rekrutiert werden. Deutschland ist eines von wenigen Ländern weltweit, in denen die staatliche Armee weiter unter 18-jährige als Soldaten rekrutiert. Viele Mitgliedsorganisationen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten unterstützen Hilfsprojekte für Kindersoldaten in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Die zehn Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten sind: Kindernothilfe, World Vision, terre des hommes, Unicef Deutschland, Aktion Weißes Friedensband, missio, Deutsche Friedensgesellschaft, Quäker-Hilfe Deutschland, Netzwerk Afrika-Deutschland, Lutherischer Weltbund.

Weitere Infos zum Deutschen Bündnis Kindersoldaten: www.kindersoldaten.info

Fotos zur freien Verwendung (Quellenangabe: DFG-VK) finden Sie hier.

Die Gesichter der Kinder wurden aus Gründen des Kindesschutzes verpixelt.

Kontakt:

Ralf Willinger, terre des hommes, 0541-7101-108, r.willinger@tdh.de

Frank Mischo, Kindernothilfe, 0163-2344357, Frank.Mischo@knh.de

Michael Schulze von Glasser (ab 14 Uhr), DFG-VK, 0176-23575236, svg@dfg-vk.de

Weltweiter Aktionstag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12.2.

Deutsches Bündnis Kindersoldaten fordert zum Red Hand Day 2016 den besonderen Schutz von Mädchen und Jungen in bewaffneten Konflikten

(Berlin, 11.02.2016) Rund 250.000 Kinder und Jugendliche werden weltweit in offiziellen Armeen und nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen als Soldaten eingesetzt: Sie kämpfen an der Waffe für staatliche Armeen oder andere bewaffnete Gruppen, werden als Spione, Köche oder Lastenträger eingesetzt. Viele Kindersoldaten kämpfen mit Kleinwaffen aus deutscher Herstellung.

Im Jemen sind nach UN-Schätzungen ein Drittel aller Kämpfer Minderjährige. „Die jemenitischen Milizen werden von Saudi-Arabien auch mit deutschen G3-Gewehren aus genehmigter Lizenzproduktion versorgt. Damit verstößt Saudi-Arabien gegen die sogenannte Endverbleibserklärung“, so Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte bei terre des hommes und Sprecher des Bündnis‘ Kindersoldaten. „Dass der Waffenproduzent Heckler und Koch gegen die Bundesregierung klagt und weitere Waffenexporte nach Saudi-Arabien erzwingen will, offenbart die völlig unzureichende Gesetzeslage. Wir fordern deshalb dringend ein Rüstungsexportgesetz, das Waffenexporte in Krisenregionen und an Staaten, die die Menschenrechte verletzen und beispielsweise Kindersoldaten einsetzen, verbietet.“

Entgegen den eigenen politischen Grundsätzen für Rüstungsexporte und den Vorgaben der EU genehmigt die Bundesregierung den Export von Kriegswaffen an zahlreiche Staaten, die in bewaffnete Konflikte verwickelt sind, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden – unter ihnen Indien, Katar und Saudi-Arabien. „Mit der Genehmigung der Errichtung einer G36-Waffenfabrik fertigt Saudi-Arabien jetzt auch Zehntausende von Heckler und Koch-Sturmgewehren, die aufgrund ihres geringen Gewichts und ihrer Handlichkeit optimal für Kindersoldaten geeignet sind“, sagt Jürgen Grässlin, Buchautor und Sprecher der Kampagne ,Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!‘. „Wir rufen auf zur Teilnahme an der bundesweiten Aufschrei-Unterschriftenaktion ‚Export von Kleinwaffen und Munition stoppen!‘“

Keineswegs zu vergleichen mit dem Schicksal von Kindersoldaten in Konfliktregionen und dennoch unverantwortlich ist die Rekrutierung minderjähriger Soldatinnen und Soldaten durch die Bundeswehr – 2015 beispielsweise waren es mehr als 1.500. Intensiv betreibt die Bundeswehr Nachwuchswerbung bei Jugendlichen vor allem in Schulen. „Die Empfehlungen aus dem UN-Ausschuss für die Rechte der Kinder keine Minderjährigen in die Bundeswehr zu rekrutieren, müssen unbedingt beachtet werden, statt bei ihrer Anwerbung Rekordzahlen zu erreichen“, sagt Frank Mischo, Kinderrechtsexperte der Kindernothilfe und Bündnis-Sprecher. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten fordert deshalb in der Kampagne ‚unter18nie‘ einen Verzicht der Rekrutierung Minderjähriger, damit Deutschland eine internationale Vorbildrolle zur Reduzierung der Beteiligung von Kindern in militärischen Einheiten weltweit übernehmen kann. „Es ist schwierig Regierungen und Rebellengruppen bei Demobilisierungen von Kindersoldaten zu erklären, wieso beispielsweise 17-Jährige aus kinderrechtlichen Gründen nicht im Militär bleiben sollen, wenn Staaten wie Deutschland dies nicht beachten“, so Mischo weiter.

Weitere wichtige Forderungen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten – einem Zusammenschluss von neun Kinderrechtsorganisationen – sind die Gewährung von politischem Asyl und die Unterstützung für ehemalige Kindersoldaten oder Minderjährige, die vor einer Rekrutierung geflohen sind. Ein sicherer Aufenthaltsstatus, medizinische und psychologische Versorgung sowie schulische und berufliche Bildung sind für sie lebenswichtig.

Am 12. Februar 2002 ist das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft getreten. Seitdem gilt der Tag als internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. Anlässlich dieses „Red Hand Day“ ruft das Deutsche Bündnis Kindersoldaten gemeinsam mit zahlreichen Organisationen weltweit zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf. Bisher haben mehr als 400.000 Menschen in über 50 Ländern weltweit mit ihrem Handabdruck gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten protestiert. Auch in diesem Jahr finden Rote-Hand-Aktionen in zahlreichen deutschen Städten statt. Die Kinderkommission des Bundestages hat sich zuletzt am 27. Januar 2016 entschieden gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten ausgesprochen. Viele Mitgliedsorganisationen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten unterstützen Hilfsprojekte für Kindersoldaten in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Statement Jamal

Statement Ralf Willinger

Statement Frank Mischo

Statement Jürgen Grässlin

Für Rückfragen/Interviews:
terre des hommes, Tel.: 05 41 / 71 01-126, E-Mail presse@tdh.de
Kindernothilfe, Tel.: 02 03 / 77 89-242, E-Mail christian.herrmanny@kindernothilfe.de

Weitere Informationen im Internet:

redhandday.org
aktion-rote-hand.de
unter18nie.de

Unter18Nie: Appell an Ministerin von der Leyen

Unterschriftenaktion: Helfen Sie mit, die Rekrutierung und Gefährdung von Minderjährigen zu stoppen und den 18-Jahre-Standard auch in Deutschland zu erreichen. Fordern Sie Verteidigungsministerin von der Leyen auf, das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre anzuheben. mehr

Bundesregierung muss Waffenexporte in Konfliktländer stoppen

(Berlin, 12.02.2015) Deutschland missachtet nach wie vor die Empfehlungen der Vereinten Nationen, indem es Waffen in Konfliktländer exportiert, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt werden. Ferner wirbt und rekrutiert die Bundeswehr weiter Minderjährige. Darauf weist das Deutsche Bündnis Kindersoldaten anlässlich des Red Hand Day hin, des Welttags gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar.

Vor fast genau einem Jahr stellte der »UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes« fest, dass Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention und deren sogenanntes „Kindersoldaten-Zusatzprotokoll“ in vielen Punkten nicht einhält. Zentrale Empfehlungen des UN-Ausschusses waren ein gesetzliches Verbot von Waffenexporten in Länder, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt werden, ein Verbot von gezielter Werbung für die Bundeswehr bei Minderjährigen und das Anheben des Rekrutierungsalters der Bundeswehr auf 18 Jahre.

Stattdessen liefert Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur weltweit weiterhin Waffen an Länder wie Indien, Kolumbien, Saudi-Arabien und Pakistan, in denen bewaffnete Konflikte herrschen oder die diese durch Waffenlieferungen unterstützen. Laut aktuellem Bericht des UN-Generalsekretärs rekrutieren bewaffnete Gruppen in Indien, Kolumbien und Pakistan ebenso Kindersoldaten wie islamistische Kämpfer in Syrien, die von Saudi-Arabien mit Waffen beliefert werden. Indien und Saudi-Arabien haben 2013 Tausende moderne deutsche Sturm- und Maschinengewehre importiert. Diese sogenannten Kleinwaffen fordern die meisten Todesopfer unter Zivilisten, insbesondere unter Kindern. Kleinwaffen sind leicht zu bedienen und werden auch von Kindersoldaten eingesetzt, beispielsweise in Indien, wie eine im Dezember 2014 von Partnern von terre des hommes veröffentlichte Studie zeigt.

»Deutschland hat sich verpflichtet, sein Möglichstes zu tun, um Kinder vor Krieg und Gewalt und dem Missbrauch als Soldaten zu schützen. Wir fordern deshalb die Bundesregierung auf, dringend ein Rüstungsexportgesetz zu verabschieden, das Waffenexporte in Länder mit bewaffneten Konflikten und Menschenrechtsverletzungen verbietet, insbesondere wenn in diesen Ländern Kinder als Soldaten eingesetzt werden«, sagt Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes und Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. »Kinder sterben durch Waffen aus deutschen Exporten und müssen mit deutschen Waffen kämpfen. Davor kann die Regierung nicht weiter die Augen verschließen.« Willinger zufolge werden die Rüstungsexportrichtlinien der Bundesregierung und der Gemeinsame Standpunkt der EU zu Rüstungsexporten nicht eingehalten. Da sie keinen Gesetzesrang haben, bleiben sie unverbindlich und können nicht eingeklagt werden.

Unter Missachtung der Empfehlungen des UN-Ausschusses leisten außerdem jährlich rund 1.000 17-jährige Mädchen und Jungen ihren Dienst bei der Bundeswehr, und die Bundeswehr wirbt weiter in Kinder- und Jugendmedien wie der „Bravo“ und an Schulen. »Wenn Deutschland den Vorsitz im UN-Menschenrechtsrat überzeugend wahrnehmen will, muss das Mindestalter für den Eintritt in die Bundeswehr auf 18 Jahre angehoben werden«, erläutert Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe und Sprecherin des Deutschen Bündnis Kindersoldaten.

»Im letzten Jahr hat die Zahl von Kindersoldaten bei immer neuen Konflikten erheblich zugenommen«, so Ekkehard Forberg, Experte für Friedensförderung bei der Kinderhilfsorganisation World Vision. »Allein im Südsudan rekrutierten Konfliktparteien 12.000 Kindersoldaten. Diese Kinder müssen sofort aus den militärischen Verbänden entlassen werden und in ihre Dörfer zurückkehren. Eine traumatisierte junge Generation könnte sonst Südsudans Weg in eine friedliche Zukunft blockieren.«

Auch der Schauspieler und Kindernothilfe-Botschafter Dietrich Mattausch fordert ein klares Signal von Seiten der Politik, Länder nicht länger mit Waffen zu unterstützen, wenn und solange dort Kinder zu Soldaten gemacht werden: »Das Leben von Kindersoldaten ist oft traumatisch. Dieser unfassbare Missbrauch junger Menschen muss schnellstmöglich beendet werden.«

Am 12. Februar 2002 ist das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft getreten. Seitdem gilt der Tag als internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. Anlässlich dieses „Red Hand Day“ ruft das Deutsche Bündnis Kindersoldaten gemeinsam mit zahlreichen Organisationen weltweit zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf. Bisher haben mehr als 400.000 Menschen in über 50 Ländern weltweit mit ihrem Handabdruck gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten protestiert, darunter über 150.000 Deutsche. Auch in diesem Jahr finden Rote-Hand-Aktionen in zahlreichen deutschen Städten statt. Die Kinderkommission des Bundestages hat sich zuletzt am 4. Februar gemeinsam mit Bundesministerin Manuela Schwesig entschieden gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten ausgesprochen. Viele Mitgliedsorganisationen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten unterstützen Hilfsprojekte für Kindersoldaten in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Statement Antje Weber

Statement Ralf Willinger

Statement Michael Davies

Kontakt:
Kindernothilfe, Antje Weber: E-Mail: antje.weber@knh.de; Tel.: 0203 7789 180, Mobil: 0157 74784016
Terre des hommes, Ralf Willinger, E-Mail: presse@tdh.de; Tel.: 0541 7101134, www.tdh.de

Weitere Informationen finden Sie auch auf folgenden Websites:

www.aktion-rote-hand.de
www.redhandday.org

Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten:

Aktion Weißes Friedensband, Amnesty International, Deutsches Jugendrotkreuz, Kindernothilfe, Lutherischer Weltbund, missio, Netzwerk Afrika Deutschland, Plan International, Quäker-Hilfe Stiftung, terre des hommes, UNICEF Deutschland, World Vision

(Duisburg/ Osnabrück, 7. August 2014) Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten kritisiert die verharmlosende Form der Nachwuchswerbung der deutschen Bundeswehr: Mit Begriffen wie „Action“, „Adventure“, „Team-Challenge“ und „Sport am Strand“ wirbt die Bundeswehr – wie bereits 2012 – aktuell wieder im Jugendmedium Bravo für ihre sogenannten Adventure Camps. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten ruft zum Protest auf.

Die in der Werbung verwendeten Bilder zeigen Sommer, Sonne, Strand und Meer und haben mit der Realität von Militäreinsätzen nichts zu tun. Die im Kriegsgebiet drohenden Gefahren wie Verwundung, Tod, Traumatisierung oder das Töten von Menschen werden in der Kampagne nicht angesprochen. „Militärwerbung bei Minderjährigen, vor allem wenn sie so einseitig und realitätsfern ist wie die der Bundeswehr in der Bravo, ist nicht nur ethisch fragwürdig – sie ist auch nicht mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen der UN-Kinderrechtskonvention vereinbar“, sagt Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte bei terre des hommes und Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. Die Zielgruppe der aktuellen Werbemaßnahmen ist erschreckend jung: Die Kernleserschaft der Bravo ist zwischen 12 und 17 Jahre alt, auch 10-Jährige lesen das Blatt aus dem Bauer Verlag. Viel Geld fließt in derartige Werbemaßnahmen für Minderjährige. Im Jahr 2012 hatte der Bauer-Verlag nach Angaben der Bundeswehr 215.000 Euro für die Werbung erhalten. Die Camps, für die sich 16- bis 19-Jährige bewerben können, kosteten damals weitere 40.000 Euro. Die Kosten der aktuellen Kampagne sind nicht bekannt.

Der Ausschuss für Kinderrechte der Vereinten Nationen hat Deutschland im Februar offiziell aufgefordert, jegliche Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu verbieten. Außerdem wurde Deutschland aufgerufen, das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre zu erhöhen. „Noch immer treten jährlich rund 1.000 Minderjährige freiwillig ihren Dienst bei der Bundeswehr an“, sagt Antje Weber, Kinderrechtsexpertin bei der Kindernothilfe und Sprecherin des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. „Minderjährige sind aber weder psychisch noch körperlich für den Militärdienst geeignet. Durch Auslandseinsätze kurz nach ihrem achtzehnten Geburtstag drohen ihnen lebenslange Schäden.“

Der Ausschuss für Kinderrechte der Vereinten Nationen, Kinderrechts- und Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Kirchen, viele Schüler, Eltern und Lehrer und Soldaten kritisieren seit langem die Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen und deren Rekrutierung. terre des hommes, die Kindernothilfe und Aktion Weißes Friedensband rufen zu Protesten gegen die Bundeswehrwerbung auf den Facebook- und Webseiten von Bravo und Bundeswehr auf.

Kontaktdaten von Bravo und Bundeswehr:
https://www.facebook.com/BRAVO.de, https://de-de.facebook.com/Team.Treff (Bundeswehr-Jugendseite)

E-Mail der Bravo-Chefredaktion:
post@bravo.de, http://www.bravo.de/kontakt

E-Mail des Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr

Film „Was hat die Armee aus mir gemacht“ über einen ehemaligen minderjährigen Rekruten der britischen Armee

Bundeswehrwerbung auf bravo.de

Kontakt:
Ralf Willinger, terre des hommes, 0541 7101 108, r.willinger@tdh.de
Antje Weber, Kindernothilfe, 0203 7789 180, antje.weber@knh.de
Günter Haverkamp, Aktion Weißes Friedensband, 0211 9945137, haverkamp@friedensband.de

Nur für Erwachsene – Militärdienst schädigt Minderjährige

Zahlen aus der britischen Armee belegen, dass junge Rekrutinnen und Rekruten deutlich häufiger als ihre Altersgenossen Selbstmord begehen, alkoholsüchtig sind oder an psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Traumatisierungen leiden. Zudem werden sie in der Armee häufiger Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt. Auch die Dienstabbruchquoten sind bei jungen Soldaten deutlich höher als bei Erwachsenen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Rekruten durch den Militärdienst ernsthaft geschädigt werden, ist offensichtlich umso höher, je jünger sie sind. Das weist darauf hin, dass Minderjährige weder psychisch noch körperlich für Militärdienst geeignet sind und in vielen Fällen weder die Minderjährigen selber noch die Armee davon profitieren können. Im Unterschied zur britischen Armee erhebt die Bundeswehr solche altersbezogenen Daten nicht.

Quelle

Berlin, 10.02.2014 – 250.000 Mädchen und Jungen in aller Welt werden in kriegerischen Auseinandersetzungen als Soldaten missbraucht. Diese Kinder zu schützen und Waffenexporte in Krisengebiete zu stoppen, sind die zentralen Forderungen des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten anlässlich des „Red Hand Day“, dem internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. „Waffen gehören nicht in Kinderhände“, betonen die Vertreter des Bündnisses, „und die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen als Soldaten ist ein Kriegsverbrechen.“

Ob in Syrien, Burma, Afghanistan, Kolumbien oder im Kongo: In über 20 Ländern werden Kinder in Armeen und bewaffneten Gruppen als Soldaten eingesetzt. „Selbst kleine Jungen und Mädchen werden gezwungen, bewaffnete Gruppen als Träger oder Spione zu unterstützen“, so Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe und Sprecherin des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten. „Sie übernehmen Boten- und Kochdienste, viele von ihnen werden sexuell missbraucht und müssen selbst mit der Waffe in der Hand kämpfen.“ Diese Waffen wiederum stammen häufig aus deutscher Produktion.

Denn die Bundesrepublik ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt und hat laut aktuellem Rüstungsexportbericht der Bundesregierung zuletzt mehr Kleinwaffen – wie Maschinenpistolen und Sturmgewehre – ausgeführt als jemals zuvor. Kleinwaffen gelten als Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts, über 90 Prozent der Todesopfer sind Zivilisten, darunter viele Kinder. „Die Zahl der deutschen Kleinwaffenexporte hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Diese Überflutung von Krisengebieten mit deutschen Waffen muss dringend gestoppt werden“, fordert Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes und Sprecher des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten. „Kleinwaffen und Munition aus deutscher Produktion werden mit Genehmigung unserer Regierung in Kriegs- und Krisengebiete geliefert und gelangen dann – legal oder auch illegal – in die Hände von Kindern und Jugendlichen. Beispielsweise ist bekannt, dass Saudi-Arabien islamistische Rebellengruppen im Syrienkrieg mit Waffen beliefert. Dennoch ist Saudi-Arabien der größte Empfänger deutscher Rüstungsgüter.“

„Deutsche Waffen gibt es in jeder Krisenregion der Welt, alleine zehn Millionen G3-Sturmgewehre von Heckler & Koch sind weltweit verbreitet. Jeden Tag fordern sie Todesopfer und verschärfen bewaffnete Kon-flikte“, sagt Andrew Feinstein, südafrikanischer Buchautor und Experte zum Thema globaler Waffenhandel. „Deutschland und andere Länder sollten ihre massiven Waffenexporte dringend stoppen, besonders wenn sie in Länder gehen, in denen die Menschenrechte verletzt werden, wie in Saudi-Arabien oder Kolumbien.“

Wie dramatisch und traumatisch das Leben als Kindersoldat ist, berichtet der heute erwachsene Michael D. aus Sierra Leone. Fünf Jahre lang kämpfte der ehemalige Kindersoldat gegen Rebellentruppen. „Wir wurden bei Angriffen meist als Vorhut eingesetzt und mussten im Kugelhagel losstürmen“, so Michael, der später in Bremen Asyl fand. „Mit Drogen und Alkohol wurden wir gefügig gemacht, freiwillig hätten wir das nicht gemacht.“ Heute engagiert sich Michael in Deutschland gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten und gegen Waffenexporte in Kriegs- und Krisenregionen. Im Bürgerkrieg in Sierra Leone wurden auch deutsche Gewehre wie das G3 eingesetzt.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten – ein Zusammenschluss von zwölf Nichtregierungsorganisationen – ist einer der Initiatoren der internationalen Rote-Hand-Aktion. Weltweit wurden in den letzten Jahren über 380.000 rote Handabdrücke in über 50 Ländern gesammelt, fast die Hälfte davon in Deutschland. Sie wurden an nationale und internationale Politiker übergeben. Ziel der jährlichen Aktionen zum Red Hand Day am 12. Februar ist es, die Öffentlichkeit auf die Ausbeutung von Kindern als Soldaten aufmerksam zu machen und die Politik zum Handeln zu bringen.

Statements als Downloads:

Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe

Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte terre des homme, Sprecher des deutschen Bündnisses

Andrew Feinstein (englische Version)

Andrew Feinstein (deutsche Übersetzung)

Michael D.

Weitere Informationen finden Sie auch unter:

www.kindersoldaten.info (Deutsches Bündnis Kindersoldaten)
www.aktion-rote-hand.de (Deutschland)
www.redhandday.org (international)

Kontakt:
Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe, E-Mail: Antje.Weber@knh.de; Website: www.kindernothilfe.de
Telefon: 02 03 / 77 89-180; Fax: 02 03 / 77 89-118; mobil: 01 76 / 21 31 94 93

Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes, E-Mail: presse@tdh.de; Website: www.tdh.de
Telefon: 05 41 / 71 01-126 (Pressestelle); mobil: 01 71 / 5 71 39 27

Rudi Tarneden, Pressesprecher UNICEF Deutschland, E-Mail: presse@unicef.de; Website: www.unicef.de
Tel: 02 21 / 9 36 50-235 oder -315

Antje Lüdemann-Dundua, Kinderrechtsexpertin World Vision, E-Mail: Antje_Luedemann-Dundua@wvi.org
Tel.: +49 30 240 83 36-15; mobil: +49 151 426 70 240, Webseite: www.worldvision.de

Mitglieder des Deutschen Bündnis Kindersoldaten:
Aktion Weißes Friedensband, Amnesty International, Deutsches Jugendrotkreuz, Kindernothilfe, Lutherischer Weltbund, missio, Netzwerk Afrika Deutschland, Plan International, Quäker-Hilfe Stiftung, terre des hommes, UNICEF Deutschland, World Vision